Geräusch ist nicht gleich Geräusch

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Häufig kommt die Frage in Austauschgruppen (egal ob für Autismus oder allgemeine Kindeserziehung) auf, warum z.B. das ständige Dröhnen des Fernsehers nicht stört, man aber zusammenzuckt, wenn plötzlich ein Motorrad aufheult oder der Staubsauger angemacht wird.

Das ist so, weil manche Leute  keine Geräusche ertragen oder nur bedingt und dabei muss man auch noch die Art der Geräusche unterscheiden.

Es gibt da nämlich Unterschiede.
Erwartete Geräusche und unerwartete Geräusche.

Ich habe bereits viel gelesen, über Eltern die den ganzen Tag den Fernseher laufen haben, Eltern die im Kinderzimmer einen Fernseher stehen haben, Kinder die nur zur Ruhe kommen, wenn sie vor dem Fernseher sitzen, etc.

Meistens werden diese Personengruppen sofort abgestempelt:

“Keine Lust sich um das Kind zu kümmern.”

Verantwortungslos.”

“elektronischer Babysitter”

…und so weiter. So geht es immer ohne zu fragen, was die Gründe dafür sind.

Sicherlich gibt es bestimmt auch Personen, wo oben genanntes zutrifft, doch gerade in Austausch-Gruppen, auf den sozialen Medien, von und mit besonderen Menschen, erwarte ich eigentlich etwas mehr.

Ich erwarte den nötigen Respekt, die selbst von allen dort eingeforderte Toleranz, ernsthaftes Interesse und Verständnis.

Denn es hat schon Gründe, warum der Fernseher oder das Radio die ganze Zeit läuft. Eben so wie es Gründe gibt, dass Personen erschrecken, wenn plötzlich ein Motorrad neben ihnen aufheult.

Zum einen sind plötzlich auftretene Geräusche sehr unangenehm und bringen Verwirrung, zum anderen ist es z.b. bei Hochsensiblen Menschen oder Autisten so, dass sehr viel wahrgenommen wird. Das heißt, es werden Geräusche nicht ausgeblendet.

Diese unerwarteten Geräusche sind also unangenehm. Sie lassen sich schlecht filtern und verarbeiten. Deshalb müssen oder wollen einige Betroffene auch spezielle Kopfhörer tragen, z.B. wenn sie raus gehen, in die Schule gehen, an Veranstaltungen teilnehmen, im Büro und manchmal sogar daheim.

Der Fernseher oder das Radio sind dahingegen erwartete Geräusche.

Auch ich brauche den Fernseher tagsüber.
Warum? Ganz einfach. Er ist eine Störquelle. Das heißt, wenn der Fernseher läuft, kommt permanent ein Geräusch aus einer Richtung und überdeckt dabei andere Geräusche. Wäre der Fernseher aus, würde ich auf JEDES andere Geräusch hören, was man im Haus oder vor dem Haus hört und wäre so permanent abgelenkt.

So ähnlich geht es auch meinem Mann und meinem Sohn, beide im Spektrum.

Mein Mann braucht meistens den Fernseher mit ausgeschalteten Bild zum einschlafen. Aber ein bestimmtes Programm. Entweder die alten Star Trek – Folgen, Big Bang Theory oder die angenehmen Stimmen von Gronkh oder Phunk Royal. Da reicht es dann aber auch, wenn der Fernseher nach 2 Stunden ausgeht.

Der Große braucht den Fernseher auch zum einschlafen. Leider wacht er Nachts nochmal auf und daher haben wir das Internet für ihn um diese Zeit nochmal für zwei Stunden freigeschaltet. Denn ohne diese Berieselung kann er nicht wieder einschlafen. Bei ihm laufen in der Regel Minecraft Videos oder eine Serie auf Netflix. Wir haben schon versucht alles auszulassen, aber das ging nach hinten los. Sämtliche Versuche endeten in schlaflose unruhige Nächte für uns alle.

So wie es jetzt ist, ist es für uns die beste Lösung.

Wie ihr seht, ist die Sache nicht immer so einfach wie angenommen. Also bitte, verurteilt die Menschen nicht ohne zu Wissen aus welchem Antrieb sie handeln.

 

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 Das Beitragsbild wurde von egonkling auf Pixabay zur Verfügung gestellt.

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