Finger gequetscht

 

Hallo ihr Lieben!

Gerade war das erste Mal seit langem, dass ich an meine Grenzen gekommen bin.

Erst bis Mitternacht mit dem Großen (ASS) am diskutieren, warum er schlafen soll. Kurz nach 5 Uhr dann einen Streit mit dem Mann (ASS), ab 6 Uhr Diskussionen, wieso man sich zur Schule fertig machen soll, man Regeln einhalten soll, etc.

Dann ist das große Kind draußen. Ich geh ins Bad.

Der Kleine (NT) kommt natürlich hinterher, stellt sich hinter die Tür. So weit nicht aufregend.

Dann erbärmliche Schreie. Er hat seine Hand auf der Schanierseite der Tür eingeklemmt, komplett zu gemacht. Ich spring vom Klo und befreie ihn. Schleife ihn zu Papa….Papa soll helfen und trösten. Ich will mich zumindest halb anziehen. Geschrei ohne Ende….Papa soll nicht trösten.

Die Finger werden dicker, eine weiße Blase wölbt sich am Mittelfinger.

Okay. Sachen in den Rucksack, Kind anziehen, mich anziehen, ab ins Auto Richtung Kinderkrankenhaus.

Kind sitzt im Auto wirkt fertig, kurz vorm einschlafen. Ich hab das Navi vergessen und hoffe, dass die Straßensperrung Richtung Klinik wieder auf ist. Sie ist es.

Kein Parkplatz zu bekommen, alles voll und fast jeder hat auf 2 Parkplätzen geparkt. Ich finde einen Platz hinter der neuen Klinik, ca 200 Meter zu laufen.

Erst ging es, dann sah der Kleinen einen jungen Mann, den er wohl für seinen Bruder hielt, dieser verschwand hinter einem Zaun. Der Kleine wollte hinterher. Ich halte ihn auf und versuche zu erklären, dass es nicht sein Bruder war. Keine Chance.

Geschrei, Tränen, versuchte Sitzstreiks bis wir im Krankenhaus sind. Dort steht ein Holzauto mit magischer Anziehungskraft. Ich schaffe es mit ihm zur Anmeldung, dann ins Wartezimmer, das Formular ausfüllen. Bei der Abgabe des Formulars bemerkt er die Station hinter uns…da möchte er rein. Ich bleibe in der Schlange stehen und sage “Nein“. Er wird wütend, schlägt sich gegen den Kopf….ins Gesicht und kommt dann zu mir. Er ist lieb, wir gehen ins Wartezimmer.

Wir werden aufgerufen, er folgt der Krankenschwester freiwillig ins Behandlungszimmer, schaut aber ob ich mitkomme.

Die Krankenschwester möchte seine Verletzung anschauen. Er schreit, schlägt um sich, ich nehm ihn auf den Schoß, er windet sich. Sie geht, er wird ruhiger, bockt aber noch.

Der Arzt kommt, ich warne ihn vor, er will es nicht hören. Der Kleine schreit, wehrt sich, versucht um sich zu schlagen, windet sich. Der Arzt hat keine Chance ihn richtig anzusehen….hält mit Kraft beide Hände fest um sie zu vergleichen. Der Kleine soll die Hand öffnen, die verletzt ist. Der Arzt versucht es mit einem Fingerspiel…der Kleine schreit und windet sich weiterhin auf meinem Schoß. Der Arzt versucht es mit Gewalt, haut kräftig mit den Fingerspitzen in die Handfläche, wohl um sie zu öffnen….ich merke Wut in mir hochsteigen, doch da lässt er den Kleinen auch schon los. Quetschung diagnostiziert er. Ich versuche ruhig zu bleiben.

Wir werden entlassen, warten aber noch auf einen Arztbrief. Ein Junge fängt an “Guck Guck” mit dem Kleinen zu spielen. Der Kleine lacht.

Wir gehen. Ein Mädchen spielt am Auto, der Kleine will auch. Ich lasse ihn kurz. Er möchte in den Spielbereich. Ich möchte gehen, es wird immer voller. Er wehrt sich, läuft zum Auto, krabbelt rauf. Ich rede auf ihn ein. Er klettert über die “Windschutzscheibe”, hängt auf halb 8 (rw). Ich sage “Du fällst doch gleich“, fasse ihn am Bein, will ihn vorne abstützen, da wehrt er sich auch schon und knallt dabei aufs Gesicht…auf die “Motorhaube” des Autos. Die Mutter des anderen Kindes schaut betreten weg…was sie jetzt wohl denkt…aus ihrer Sicht sah es sicher so aus als ob ich nachgeholfen hätte. Ich fühle mich beschämt.

Ich tröst ihn, trage ihn dann raus. Draußen stelle ich ihn hin, er ist schwer. Er weint, er will nicht mitkommen. Ich versuche die “Ich gehe alleine“-Taktik. Es ist ihm egal, er geht in Richtung Baustelle, Richtung Raucherhäuschen und glitschigen Wiese. Ich gehe hinterher. Ich sage “Pass auf“. Er fällt. Ich hebe ihn auf. Der Kleine rennt los. Ich sage “Bleib stehen, du fällst gleich“. Die Wiese geht steil bergab…er fällt…weint…ich heb ihn wieder auf…er rennt wieder los…wird schneller…ich rufe hinterher, dass er stehen bleiben soll, dass er sonst wieder fällt. Bumms, da liegt er wieder. Ich hebe ihn auf, trage ihn zum Bürgersteig. Schnodder und Tränen laufen wie verrückt über sein Gesicht. Ich will ihn sauber machen. Er schreit, wirft sich nach hinten, ich kann ich gerade noch auffangen. Den Weg zum Auto geht es so weiter, einschließlich mutwilligen Gestampfe in jede Pfütze…möglichst tief.

Vor uns taucht ein Mann mit Hund auf, geht unseren Weg. “WauWau” und schwupps läuft der Kleine hinterher. Dem Himmel sein Dank. Sie sind schneller als wir…wir kommen zum Auto…ich erzähle dem Kleinen, dass wir das Auto nehmen müssen um den WauWau einzuholen. Er ist einverstanden, setzt sich ins Auto. Ich gebe ihm sein Frühstück. Er ist abglenkt. Ich fahre heim. Alles ok, als wäre nie etwas gewesen…nur ich…ich fühle mich ausgebrannt…müde…ich brauch eine Pause…

Ist das noch Trotzphasenverhalten oder steckt dort mehr dahinter?

 

Das Titelbild von Rudy and Peter Skitterians auf Pixabay zur Verfügung gestellt.

2 Kommentare

  1. Ohje, das klingt nach einem super anstrengenden Morgen. Dein Schreibtstil allerdings hat mich immer mal wieder lächeln lassen. Ich wünsche dir ganz viel Kraft – und dass du starke Nerven hast die nächsten Monate durchzustehen.

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