Ein Autist kommt selten allein…

 

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Hallo ihr Lieben!

Eigentlich…ja, eigentlich hätte ich gestern einen Termin mit der Kinder- und Jugendpsychiaterin zur Besprechung gehabt bezüglich der letzten Tests.

Natürlich kam es wieder, wie es kommen musste und ich habe mir auf der linken Seite den Ischiasnerv eingeklemmt. Jetzt habe ich große Schmerzen beim Gehen und Sitzen geht mal gar nicht.
Warum auch nicht…hab ja nichts zu tun. *augenverdreh*

Jedenfalls rief ich morgens in der Praxis an, um dieses mitzuteilen und zu fragen, ob man den Termin vielleicht telefonisch halten könnte. Die Dame an der Rezeption wollte sich darum kümmern.
In meinen Augen kein großes Problem, da ich ja eh den Termin zur Besprechung gehabt hätte.

Doch das Telefon klingelte nicht zu der Zeit, wo ich den Termin gehabt hätte und da ich den Damen an der Rezeption nicht mehr traue bzw der einen Dame dort, rief ich nochmal an. Diesmal war die Kollegin dran. Sie wusste von nichts. Die Kommunikation fand also wieder nicht wie erhofft statt. Die Dame schaute in die Akte und auch dort war nichts vermerkt. Da jetzt ja mein Termin war und die Frau Doktor folglich frei sein sollte, parkte sie mich in der Warteschleife und sprach mit Frau Doktor.
Es dauerte nicht lange und schon war unsere Psychiaterin persönlich am Telefon.

Die Auswertung der Fragebögen von der Schule lagen ihr noch nicht vor, die Empfehlung für den Schulbegleiter war aber schon an das Jugendamt geschickt worden. Daher hatten wir jetzt gar nicht so viel zu besprechen und der Termin wäre quasi unnötig gewesen.
Tja, da war der Ischiasnerv jetzt doch praktisch…wenn es nur nicht so schmerzlich wäre.

Da aber ja noch “meine” Terminzeit war, nutzte ich gleich die Chance zu fragen, ob das Verhalten meines jüngsten Sprosses denn noch normales Trotzverhalten sei oder etwa mehr.

Ich erzählte ihr davon, dass wir bereits beim Pädaudiologen waren und er als Latetalker eingestuft ist. Dennoch mit seinen 2,8 Jahren nur noch wenige Worte nutzt. Nur noch, weil er schon mehr Wörter im ersten Lebensjahr nutzte.

Er benennt uns alle nur als “Jaja“. Außer er ist wirklich weinerlich, dann sagt er in einer weinerlichen Stimme “Mama“. Manchmal sagt er auch “Baba“. Er nutzt auch “Ja” und ““, wobei manchmal nicht klar ist, ob er die Nutzung und Wirkung der Wörter verstanden hat. “Da” kommt auch manchmal. “WauWau” für Hunde, wenn er nach draußen möchte und Tiere allgemein und neu dazu gekommen “DauDau” für Kakao. Das war es. Alles andere erfolgt nur mit Lauten und zeigen.
Spricht man mit ihm und gibt ihm Anweisungen, versteht er diese meist.

Dann noch das Problem mit seinen Wutanfällen, die nicht selten damit enden, dass er sich oder uns verletzt. Man könnte jetzt sagen “Trotzphase“, dass ist es auch, was ich hören wollen würde. Doch dieses Verhalten hat er schon seit er sich selber fortbewegen kann. Ich kann mich z.b. noch gut erinnern, dass wir mit ihm an den Händen Laufen geübt haben. Wenn wir aufhörten, weil wir schon Rückenprobleme bekamen, wurde er wütend…sehr wütend.
Er schmiss sich dann auch mit Wucht nach hinten. Einmal tat er es auch in einem Supermarkt und in dem Moment dachte ich “Jetzt ist alles vorbei”. Er knallte mit dem Kopf so hart auf die Fliesen, das es knirschte und ich dachte, jetzt stirbt er. Zum Glück ist ihm aber nichts passiert. Mein Herz verkrampft sich aber immer noch, wenn ich daran denke.
Danach habe ich einen Babyhelm gekauft, den er aber immer entfernte. Den Fußboden legte ich mit Puzzelmatten aus, zu groß war die Angst, das er sich verletzt.

Gehen wir raus, ist es eine 50/50 Chance, dass er nicht ausrastet. Entweder weil er keine Lust mehr hat und wir etwas nicht so machen, wie er es möchte.
Im Supermarkt ist es am schlimmsten. Geschrei und sich nach hinten werfen, wenn er im Wagen sitzen soll. Darf er laufen, haut er ab. Es ist ihm egal, ob wir bei ihm sind. Wir müssen aufpassen, dass er nicht vom Grundstück abhaut. Sind wir in einen Indoorpark, dann interessiert ihn der Kleinkindbereich nicht. Er möchte nur bei den Großen spielen. Möchten wir gehen und er nicht, kommt er nicht auf Aufforderung. Selbst die “Wir gehen jetzt“-Taktik funktioniert bei ihm nicht….es ist ihm schlichtweg egal. Ob er es nicht versteht, er es nicht mitbekommt, weil er so beschäftigt ist oder ob es ihm tatsächlich egal ist, wissen wir nicht.

Vorlesen darf ich nicht. Ein Buch zusammen anschauen, war bis vor kurzem nicht möglich. Er möchte es lieber alleine anschauen. Seit Februar lässt er sich Dinge zeigen und benennen, auch schaut er ein “Sachen suchen”- Buch mit mir zusammen an. Ein Schritt nach vorne.

Tja, jedenfalls soll ich den Kleinen im Mai mit den Großen mitbringen. Bestätigen sich Auffälligkeiten, wird er an dem Tag noch in eine Kindergruppe gehen um weitere Verhaltensauffälligkeiten zu finden bzw auszuschließen.

Ach ja, das kann ja heiter werden…
Ich werde natürlich weiter berichten, wie alles ablief.

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Das Beitragsbild von Christian Dorn auf Pixabayzur Verfügung gestellt.

 

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6 Kommentare

  1. Ich kenne alles, was Du da beschreibst. Bei uns wurde zwar Autismus ausgeschlossen, aber glaub mir, leicht war das alles nie für mich. Wir haben leider keinen Schulbegleiter, weil bei uns alle für Autisten reserviert sind (und natürlich schon vergeben). Nach 2 Tests ist es aber okay. ADHS halt mit autistischen Zügen. Mein Großer sprach auch schlecht, 3 Jahre lang wurde dies abgetan, aber dann kam heraus, dass er einen Paukenerguss hatte und schlicht nichts gehört hat. Daran haben wir bis heute (er ist 14!) zu knabbern. Ich will damit sagen, wir alle haben echt schwere Päckchen zu tragen, und ich weiß, wie es Dir geht! Ich drück Dich ganz ganz fest (virusfrei!) und wünsche Dir gute Besserung mit Deinem Ischias, und weiterhin gute Nerven.

    Lieben Gruß, Bea.

    • Habt ihr denn von einem Fachmann für Autismus testen lassen? Leider kennen sich nicht alle aus. Die Kombination mit AD(H)S gibt es sehr oft. Es scheint da einen Zusammenhang zugeben. Bei meinem Großen ist es ADS.
      Probleme mit den Ohren konnten wir bereits ausschließen. Der Kleine versteht ja gut, nur mit dem Sprechen klappt es nicht so ganz.
      Danke, dem Ischias geht es so weit wieder gut, zieht nur noch ein bischen nach.
      Mein Großer ist auch 14 😉 Ich hoffe, ihr habt ansonsten gute Unterstützung und das du auch ganz viel über eure Erfahrungen schreibst, um anderen zu helfen oder ihnen zeigst, dass sie nicht alleine sind. Das ist sehr wichtig.
      Ich wünsch dir und deiner Familie auch alles Gute.
      Liebe Grüße vom Schokodil

      • ach so, einen Schulbegleiter haben wir im Februar 2019 beantragt und immer noch keinen in Sichtweite. Also, uns geht es da leider auch nicht mit der Diagnose Autismus besser.

  2. Oh je! Da kommt ja aktuelle eine ganze Menge auf euch zu und ich kann mir gut vorstellen, wie frustrierend es auch sein muss keine klaren Antworten zu bekommen. Und damit ist es ja noch nicht einmal getan. Klare Antworten sind ja schön und gut, aber es müssen ja auch Lösungsansätze kommen.
    Zu Teilen kann ich das wirklich nachempfinden, wir hatten anfänglich auch Probleme damit, dass unser Kind nicht sprechen wollte. Aber ich hab da auf mein Bauchgefühl gehört und am Ende lag es wirklich nur daran, dass mein Kind schlicht keine Lust hatte. Das sahen die Ärzte damals aber ganz anders und haben uns von a nach b und dann wieder zurück nach a schicken wollen.

    Ich wünsche starke Nerven und bald mal Klarheit.

    Alles Liebe,
    Mo

  3. Ich kann mir vorstellen wie frustrierend das für dich sein muss. Mein Sohn wollte lange nicht sprechen, hat aber alles verstanden und sich seine eigenen Strategien zurecht gelegt. Die Ärztin wollte mich mit dem Kleinen von Untersuchung zu Untersuchung schleppen – aber ich wusste dass er einfach keine Lust hat. Zum Glück habe ich mich nicht verrückt machen lassen und auf meinen Mutterinstinkt gehört.

    lg
    Verena

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