Autismus, Schule, Medikamente, Teil 9

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Da sind wir dem Großen wohl auf dem Leim gegangen.

Wie ich das letzte Mal berichtet hatte, schienen wir die Quelle der Kopfschmerzen gefunden zu haben. Nun, leider hat uns der Große wohl nicht alles gesagt.

Nachdem er vorgestern wieder mit starken Kopfschmerzen abgeholt werden musste, erhielt ich gestern einen Anruf der Klassenlehrerin. Sie erzählte mir, dass sie sich Sorgen um unseren Großen machen würde. Er wirke desorientiert, wäre zweimal fast auf die Strasse gelaufen ohne zu schauen ob ein Auto kommt, redet manchmal etwas wirr und klage über Schmerzen. Die Mitschüler machten sich auch schon Sorgen. Sie fragte, ob es am Medikament liegen kann, da ich sie ja drüber informiert hatte und sie sich melden sollte, wenn etwas komisch ist. Denn als sie ihn festhielt und in die Augen sah, hatte sie sofort den Gedanken “Medikament“. Offensichtlich sah er “auf Droge” aus.

Zum Glück tat sie dieses auch. Ich erklärte ihr, dass es gut ist, dass sie sich meldet. Denn uns war es noch nicht aufgefallen, dass er mit den jetzigen 30mg so reagierte. Er nimmt es jetzt in der Dosierung seit 1,5 Wochen. Das Medikinet retard nimmt er morgens ein und geht dann zur Schule. Dort baut es sich auf und wenn er wieder heim kommt, ist es wieder im abbau. Das heißt also, wir bekommen es nicht mit. Daheim ist er vormittags dann entweder noch in seinem Zimmer und chilleaxed oder wir haben das Medikament mal einen Tag nicht gegeben, so wie dieses Wochenende z.b.

Leider war die Psychologin immer noch nicht erreichbar und ich bin jetzt auf die 25mg zurück gegangen, damit schien es ja besser zu gehen. Allerdings habe ich die Klassenlehrerin gebeten, dass sie nochmal vermehrt schaut.

Bisher bin ich von der Schule und den Lehrern positiv überrascht. Sie geben sich wirklich Mühe. Alle Informationen hat sie schon in sich aufgenommen, welche ich ihr gab. Mit dem mobilen Sozialdienst steht sie auch in Kontakt und informiert sich, wie sie den Unterricht mit einen autistischen Kind am besten strukturieren kann. Ich bin begeistert. Es ist das erste Mal, dass man sich da Gedanken macht.

Am liebsten würde sie die Klasse informieren, weil sie glaubt, dass sie offen dafür wären. Leider sehen das mein Mann und mein Großer nicht so. Mein Mann sagt: “Kinder sind grausam. Sie könnten das benutzen um ihn fertig zu machen.” Natürlich hat er nicht ganz unrecht. Denn auch in dieser Klasse sind 4 Jungs, die fies sind. Deswegen möchte es der Große auch noch nicht. Allerdings fällt es ja schon immer mehr auf, dass der Große anders behandelt wird und spätestens wenn wir einen Schulbegleiter bekommen sollten, wird es zwangsläufig offen gelegt. Nun ja, dann warten wir halt.

Ich habe mir aktuell noch ein Buch zum Thema bestellt und werde es anschließend der Klassenlehrerin übergeben. Das Buch heißt “Paul mittendrin und doch allein?” von Britta Seger und ist der Nachfolger von “Was ist los mit Tom?” Letzteres bezieht sich auf das Kindergarten-/Grundschulalter und das Paul-Buch auf die Teenagerzeit und erwachsen werden. Hier ist der Link zu Paul mittendrin und wer Interesse am Tom-Buch hat, findet es hier: Tom

Auch wenn es noch nicht der richtige Zeitpunkt für den Großen ist, habe ich der Lehrerin gesagt, dass es evtl nicht so schlecht wäre die Kinder für das Thema Autismus zu sensibilisieren. Denn neulich gab es einen Vorfall, von dem der Große erzählte und andere Eltern/Geschwister konnten dieses auch bestätigen.

Also, der Große war mit einigen Schülern aus der Klasse auf dem Pausenhof. Schüler eines anderen Schulzweigs kamen und pöbelten einige der Klassenkameraden an. Dabei beschimpften sie diese Kinder als “Autisten“. Für meinen Großen war das bleidigend und verwirrend. Denn wieso werden die anderen Kinder mit “Autist beschimpft, wo doch er der eigentliche Autist ist? Meine Antwort: “Daran siehst du, dass die Kinder einfach keine Ahnung haben. Denn da sie den eigentlichen Autisten nicht erkannt haben, zeigt das sie sich gar nicht auskennen.” Er fand es trotzdem merkwürdig. Aber nach Aussage anderer reiht sich “Du Autist” tatsächlich in die Kette der Schimpfwörter neben “Mongo” und “Spasti” ein. Einfach traurig. Ich habe immer erklärt, dass man solche Dinge einfach nicht sagt. Andere Eltern wohl nicht. Schauen wir, wie es weiter geht.

 

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