Die Pflegeeinsatzberatung

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Neulich bekam ich ein Schreiben der Krankenkasse, dass wir noch eine Pflegeeinsatzberatung durchführen lassen müssten. Sollten wir dieses nicht innerhalb von 3 Wochen getan haben, würde man uns das Pflegegeld um 50% streichen.

Aha…hmhm…Pflegeeinsatzberatung. Was ist das? Wieso müssen wir das machen lassen und wieso weiß ich davon nichts?

Ich überlegte, durchsuchte nochmal meine Unterlagen und stieß dann irgendwann auf einen Vermerk „Das Recht auf eine Pflegeeinsatzberatung, halbjährlich“

Dann fiel mir ein, dass die Dame vom MDK auch was gesagt hatte: „Sie haben das Recht auf eine halbjährliche Beratung durch einen Pflegedienst.

Ja, gut. Dieser Wortlaut suggerierte mir eher ein „kann“ als ein „muss„, daher rief ich bei der Krankenkasse an.

Dort erfuhr ich, dass ich diese Beratung halbjährlich durchführen lassen muss. Das wäre so ab den Stufen 2 und 3 gesetzlich festgelegt. Nun gut. Aber was kann ich darunter genau verstehen? Die Dame am Telefon konnte mir leider auch nicht weiterhelfen. Es wäre eine Beratung und ich sollte doch bei einem Pflegedienst anrufen und einen Termin machen. Diese könnten mir auch mehr dazu sagen.

Ich suchte mir also einen Pflegedienst in der Nähe raus und rief an. Leider wurde ich abgelehnt, da sie keine Kapazitäten mehr frei hätten. Der nächste Pflegedienst antwortete ebenso, allerdings mit dem Zusatz, dass sie keine Kinder nehmen würden.

Das schränkte meine Suche noch mehr ein. Kinderpflegedienste. Ich rief mehrere an, auch noch „normale“ Pflegedienste. Bis auf einen bekam ich immer zwei Wörter zu hören. „Kapazitäten“ und „Pflegenotstand„.

Das konnte ja wohl nicht wahr sein. Niemand frei und eine Deadline.

Schließlich hatte ich Glück und bekam sogar schnell einen Termin. Was mich erwarten würde, wusste ich immer noch nicht.

Am besagten Tag kam eine ältere Dame, total außer Atem, setzte sich auf mein Sofa und sah mich erwartungsfreudig an.

Was haben Sie denn für Fragen?“ wollte sie von mir wissen.

Wie jetzt? Fragen? Ich habe keine Fragen…

Tut mir leid. Das ist die erste Beratung und ich weiß nicht worum es hier gehen soll. Ich habe bisher keine Infos bekommen und mir daher auch keine Gedanken gemacht, was ich fragen könnte.“ antwortete ich.

Schließlich bin ich davon ausgegangen, dass ich eine Vortag gehalten bekomme.

Die Dame war leicht irritiert. „Sonst fragen die Leute immer ganz viel, z.B. Fragen zur Pflege.

Ja, aber was soll ich denn Fragen? Wie ich meinen Großen die Zähne nachputze, ihm sage er soll frische Sachen anziehen, darauf achte, dass die Fuß- und Fingernägel geschnitten sind? All die alltäglichen Sachen, die so selbstverständlich für mich sind, weil es eben „normal“ ist?

Das sagte ich ihr auch so und dass ich vielleicht lieber Infos hätte, was uns so zusteht, weil einem so etwas nicht erzählt wurde. Man bekam die Diagnose, aber keine Info über Dinge wie Schulbegleiter, Nachteilsausgleich, Pflegegrad, Behindertenausweis, etc.

Diese Informationen bekam ich häppchenweise von anderen betroffenen Müttern aus Autismusgruppen.
Nochmal Danke dafür.
Doch mit den Begriffen „Verhinderungspflege“ und  „Entlastungsbeitrag“ konnte ich nichts anfangen. So ganz hab ich es nach den vielen Information noch nicht verstanden. Verhinderungspflege, ja. Da wird jemand bezahlt der nicht im nahen verwandtschaftlichen Verhältnis steht, wenn er sich für einen gewissen Zeitraum um mein Kind kümmert, z.b. wenn ich krank bin. Auch eine Kurzzeitpflege in einer Pflegeeinrichtung fällt in die Verhinderungspflege.

Doch mit dem Entlastungsbeitrag bin ich noch nicht ganz fit. Viele erzählen von einer Haushaltshilfe oder Babysitter, doch wie der Ablauf ist und wie die Abrechnung erfolgt, so wie die Höhe des Betrages ist mir noch nicht ganz klar. Auch nicht, ob dieser Betrag zusätzlich zum Pflegegeld zuzählen ist oder ob dieser Betrag dann vom monatlichen Pflegegeld abgezogen wird. Aber das bekomme ich noch heraus.

Was ich weiß ist, dass ich monatlich 40€ für Pflegemittel wie Handschuhe, etc zur Verfügung habe. Hatte mir vorher keiner gesagt, gut zu wissen. Denn der Große hat auch Neurodermitis und braucht ab und an mal Nachts Feuchtverbände. Die Kompressen, Mullbinden, Cremes und Kochsalzlösung habe ich bisher immer selber bezahlt. Billig ist das nicht. Wobei Cremes und Kochsalzlösung in unserem Fall nicht in diese 40€ reinfallen. Der Arzt schreibt bei uns nur Cortisoncreme auf.

Auch Nässeschutzmatten kann ich beantragen, sagte die Dame, damit die Matratze nicht nass wird von den Feuchtverbänden.

Das war das Positive an dieser Beratung, aber…ja, natürlich gibt es wieder ein ABER…die Dame hatte leider keinerlei Ahnung von Autismus und da soll ich mein Kind lassen, wenn ich mal nicht kann? Nein, ich hoffe nicht. Die Dame war sehr nett, aber sie hatte sofort den „Rain Man“ im Kopf. Das wäre ja so ein schöner Film und er stellt den Autismus so gut da.

„Was macht ihr Sohn denn, wenn ihm alles zu viel wird? Zieht er sich auch in sich zurück?“ fragte sie.

An dieser Stelle musste ich tief durchatmen.

Ich erklärte ihr, dass sie den „Rain Man“ nicht auf alle Autisten projizieren kann und das es sich dort auch um eine spezielle Form des Autismuses handelt, nämlich ein Savant. Dann erklärte ich ihr noch die Begriffe Overload, Meltdown und Shutdown.

Sie fragte dann den Großen: „Auf welche Schule gehst du denn? Förder-, Haupt- oder Realschule?“ Der Große schaute mich irritiert an und antwortete dann: „Ich gehe auf das Gymnasium.

Diese Antwort hatte zur Folge, dass mich die Dame geschockt ansah und fragte: „Ach?! Ist er hochbegabt.

* seufz * Ich fing wieder an zu erklären.

Im Grunde genommen führte ich das „Beratungsgespräch„, aber ganz anders als vorgesehen. Vielleicht sollte ich für solche Beratungen auch einmal Rechnungen stellen.

Zum Abschluss erklärte sie mir allerdings noch, dass sie in erster Linie da war um zu sehen, ob der Große auch gepflegt wäre und es ihm gut ginge.

Hm…ok…

 

Wieso steht man immer wieder vor Lehrern, Ärzte, Pflegepersonal die nicht den Hauch einer Ahnung haben und muss immer und immer wieder gegen den „Rain Man“ ankämpfen?

 

 

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Das Titelbild wurde von InspiredImages auf Pixabay zur Verfügung gestellt.

2 Kommentare

  1. Ich weiß jetzt nicht ob du noch Tipps benötigst für den Entlastungsbeitrag…die 125 Euro im Monat sind zusätzlich und können nur an „Firmen“ ausgezahlt werden die mit der Krankenkasse abrechnen können….sie Sind zu deiner Entlastung, also Putzfrau ( ca 5 h im Monat) oder Kinderbetreuung ect. Alles was dich entlastet…aber es ist wieder schwer einen Dienst zu finden der Personal hat…. wir haben uns jetzt von unserer Putzhilfe verabschiedet….ganz ehrlich es war mehr Belastung als Entlastung und nun bin ich auf der Suche nach einer Betreuung für die Kids…für diesen Betrag…… mal sehen ob ich jemanden finde…..
    Hast du gleich den nächsten Termin ausgemacht für die pflegeberatung? Ich machen den immer sofort aus…. ist zwar eine unnötige halbe Stunde pro halbes Jahr, aber Vorschrift….. wir sitzen da, plaudern nett, jedes zweite dritte mal ist das kind dabei und das ist es……

    • Nein, ich habe keinen Folgetermin vereinbart. Die Dame meinte, dass sie sich dann melden.
      Ja, momentan hört man überall nur „Pflegenotstand“, da wünsch ich dir viel Glück, dass ihr jemanden findet.
      Danke für die Info, dass der Betrag zusätzlich ist. Das konnte ich nämlich nicht ganz in Ehrfahrung bringen, nur die Höhe des Betrages.

      Liebe Grüße vom Schokodil

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