Das Tor zur Freiheit

Warum die virtuelle Welt so wichtig für unsere Autisten ist.

Eltern regen sich sehr oft auf, dass ihr Kind augenscheinlich nur in der virtuellen Welt lebt und alles andere vernachlässigt.

Auch ich bin eine dieser Mütter, die schimpfen wie ein Rohrspatz, wenn es überhand nimmt. Auch mir ist die Mouse des PC vom Sproß schon in die Schere „gefallen“ oder das Internet hatte plötzliche „Ausfälle“.

Aber gerade ich sollte es eigentlich besser wissen…

Der Zugang ins Internet birgt nicht nur Gefahren, viel mehr ist es ein Tor zur Freiheit.

Ein Tor zur Freiheit für unsere Autisten.

Werden sie doch im wahren Leben oft ausgegrenzt, als letzte in die Gruppen gewählt als unvermeidbares Übel, auf dem Schulhof links liegen gelassen, weil man mit ihnen nicht richtig kommunizieren kann. Im Unterricht nicht mit in die Gruppenarbeit eingebunden, weil sie ja nicht reden und/oder schreiben oder eben nur mäßig dazubeitragen. Sie werden nicht zu Geburtstage eingeladen, zu seltsam ihr benehmen. Sie werden nicht angerufen, der/die meldet sich ja auch nicht.

Das diese Autisten loyale, kreative, sogar witzige und hilfsbereite Personen sind, werden die wenigsten Menschen im realen Leben erfahren. Zu groß ist der Aufwand, die Hürde.

Woher sollen sie denn wissen, dass sich viele Autisten öffnen, wenn man erst einmal Zugang zu ihnen bekommen hat und gelernt hat mit ihnen zu kommunizieren?

Ja und eben diese virtuelle Welt ermöglicht unseren Schätzen endlich einmal dazuzugehören. Plötzlich werden sie nicht ausgegrenzt. Man spielt mit ihnen, meistens sogar sehr gerne. Sie werden um Rat gefragt. Man kommuniziert mit ihnen.

Das ist ein tolles Gefühl. Dabei sein. Normal sein.

….und dann kommt da die kreischige Stimme von Mutter um die Ecke oder das Dröhnen des Vaters….

Wut macht sich breit. Wieso stören sie mich? Wieso stören sie mich dabei normal zu sein? Essen? Wer will schon essen, wenn er am Leben endlich teilhaben darf?!?!

Ja und so kommen die Probleme.

Sicherlich könnt ihr euch jetzt wiedererkennen. Eine ganz schöne Zwickmühle oder? Auf der einen Seite könnt ihr nun euer Kind verstehen, auf der anderen Seite macht ihr euch Sorgen. Berechtigte Sorgen bezüglich Schule, Nahrungsaufnahme, Hygiene, Toilettengänge. Total verständlich. Mir geht es auch so.

Deswegen haben wir einen Deal. Internetzugang zu bestimmten Zeiten. Allerdings mit Auflagen. Erst werden die Hausaufgaben erledigt. Es wird ohne Murren gemacht was wir sagen, wenn wir rufen….und wir rufen wirklich nicht oft.

Sollte das nicht klappen, wird der Internetzugang leider eingeschränkt.
In den Ferien und am Wochenende gerne auch mal länger Zugang zum Internet, sofern es keine Klagen gibt.

Allerdings gibt es bei uns noch einen Ausnahmefaktor. In der Nacht ist das Internet nochmal 2 Stunden an. Das ist dann genau zu der Zeit, wenn der Große aufwacht. Mittlerweile hat sich im „Normalfall“ ein Aufwachrhytmus ergeben. Für diesen Fall ist das Internet an, damit der Fernseher laufen kann um ihm so zu helfen wieder in den Schlaf zu kommen.

Wir haben Melantonin probiert – keine Besserung

Wir haben Rituale versucht – keine Besserung

Wir haben komplett alles ausgelassen – keine Besserung

Diese Taktik allerdings funktioniert. Natürlich habe ich es überprüft, ob es nicht ausgenutzt wird. Nein, er braucht es tatsächlich nur zum einschlafen.

Mein Rat an euch. Findet einen Mittelweg, mit dem ihr leben könnt. Trefft Vereinbarungen, am besten schriftlich. Ihr wisst ja, wie vergesslich unsere Autis sein können…oder auch wir.

Verteufelt das Internet nicht. Es hilft beim lernen, auch bei Sprachen. Es hilft Leute kennenzulernen. Auch ich habe so meinen Mann kennengelernt, siehe hier. So lässt sich das Selbstwertgefühl gut aufbauen. Es gibt immer zwei Seiten der Medaille, nur manchmal muss man ein paar Schritte zurückgehen um es zuerkennen.

*Werbelink*

Information zu den Affiliated-Links

Das Titelbild wurde von Simon H. auf Pixabay zur Verfügung gestellt.

Kommentar verfassen