Einen Pflegegrad beantragen und was passiert wenn der MDK kommt?

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So, da hat man nun die Diagnose Autismus Spektrum Störung und dann?

Tja, bei uns war es so, dass ich so gar nicht aufgeklärt und informiert wurde, was es für uns so für Hilfen gibt.

Doch zum Glück gibt es ja diverse Facebook-Gruppen, die sich mit dieser Thematik beschäftigen.

In eben diesen Gruppen erfuhr ich auch, dass wir Anrecht auf einen Pflegegrad haben und wenn gewünscht noch einen Schwerbehindertenausweis. Letzteren haben wir aber für den Großen nicht beantragt, da mir das Risiko zu hoch ist, dass ihn das nachhängen wird, auch wenn sich seine Situation bessert. Denn mein Mann ist ja ein super Beispiel dafür, dass das mit der Selbstständigkeit und sozialen Interaktion deutlich besser werden kann.

Daher beantragte ich bei der Krankenkasse nur einen Pflegegrad. Allerdings glaubte ich nicht daran, dass wir überhaupt eine Einstufung bekommen würden, da für mich ja alles was das Kind betraf „normal“ war. Vergleichsmöglichkeiten hatte ich ja eher nicht.

Durch die anderen betroffenen Mütter motiviert, rief ich also bei der Krankenkasse an und erklärt, dass mein Kind eine Autismus-Diagnose hätte und ich eine Pflegegrad beantragen möchte.

Beschämterweise rechnete ich damit, gleich am Telefon abgewimmelt zu werden. Doch die Dame war sehr nett und erklärte mir, dass sie mir ein Formular zuschicken werden, welches auszufüllen und zurück an die Pflegekasse zuschicken wäre.

Ein paar Tage später lag der Antrag im Briefkasten, ich brauchte noch die Diagnosebriefe, schrieb dazu was alles zu meinen Aufgaben gehörte und schickte den Antrag zurück an die Pflegekasse.

Ein paar Wochen später bekam ich per Post einen Termin zur Begutachtung durch den MDK zugesandt.

Ach du meine Güte! Was nun? Was wird gemacht? Worauf muss ich gefasst sein?

Natürlich versuchte ich dieses in den Facebook-Gruppen in Erfahrung zu bringen. Die Antworten waren zwar etwas unterschiedlich, aber zumindest wusste ich jetzt grob was auf mich zukam.

Dann kam der Tag der Begutachtung. Ich war ziemlich aufgeregt, dem Großen merkte man nichts an.

Als es an der Haustür klingelte und ich öffnete, stand da eine nette Dame ungefähr in meinen Alter. Sie machte einen netten Eindruck und die erste Last fiel schon von mir ab. Ich platzierte sie im Wohnzimmer, wo sie auch gleich ihren PC aufstellte.

Da ich nicht wusste, inwieweit sie informiert war und Unterlagen vorliegen hatte, hatte ich die Diagnosebriefe und meine Auflistung nochmals kopiert und bereit gelegt. Das war auch gut so, denn alles hatte sie offensichtlich nicht bekommen.

Zuerst stellte sie mir Fragen zum Alltag und wobei der Große denn so Hilfe bräuchte. Ich erklärte ihr alles, antwortete auf Zwischenfragen und schob ihr die Aufstellung nochmal zu, worüber sie sehr dankbar war. Dann stellte sie den Großen ein paar Fragen, was etwas schleppend verlief. Als ich dann auf sein Lieblingsthema, das Universum hinwies, nutzte sie die Gelegenheit genauer zu fragen und er holte seine Sachen zu dem Thema.

Ein taktvoller Schachzug, denn sie fragte mich in der Zeit, ob er noch in die Hose machen würde. Wahrscheinlich um ihn durch solche Fragen nicht zu beschämen.

Wie sich dann auch herausstellte, war sie vorher als Kinderkrankenschwester tätig. Das erklärte die geschickte Herangehensweise.

Als der Große wieder da war und seinen Vortrag zu Ende gehalten hatte, fragte sie nach seinen Zimmer. Sie wollte es gerne sehen und ging mit ihm nach oben. Dabei fragte sie, ob er denn auch wüsste, wieviele Stufen die Treppe hätte. Er wusste es nicht und ich vergaß anschließend danach zu fragen, wieso sie das wissen wollte.

Nach seinen Zimmer wollte sie dann noch das Bad sehen, da ich ja angegeben hatte, dass er bei der täglichen Körperhygiene Hilfe bräuchte.

Sie konnte mir auch schon vorab sagen welcher Pflegegrad wahrscheinlich zu tragen kommt und ich war sehr überrascht, dass wir tatsächlich einen bekommen würden.

Die Begutachtung dauerte ca eine Stunde.

Die Dauer von der Begutachtung bis zur Bewilligung dauerte bei uns auch nur eine Woche. Alles in allem ging die ganze Geschichte angenehm und schnell vonstatten.

Ich kann allen Eltern nur raten für ihr Kind einen Pflegegrad zu beantragen, so bald sie die Diagnose haben. Denn wir unterschätzen unsere Arbeit mit unseren Kindern doch sehr. Nur Mut!

 

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