Ein Autist auf einer Demo – geht das überhaupt?

Fridays for Future ist momentan in aller Munde und auch wir waren auf der Demo, wie ich hier berichtete.

Aber moment…

Das Kind ist doch autistisch. Geht das denn überhaupt?
Ja, es geht. Das hängt aber sehr vom Autisten selber ab und wie immer hat es seinen Preis.

Daher möchte ich euch von unserer Erfahrung auf der Demo erzählen. Denn ich denke, dass es vielen Menschen mit autistischen Kindern helfen könnte zu verstehen, was es für eine Leistung ist das durchzuziehen.

Mein Großer wollte gerne zu der Fridays for Future – Demo, weil es ihm wichtig ist. Diese Welt ist schließlich die  einzige Welt, die wir haben und da muss etwas getan werden.

Da er nicht alleine gehen würde und seine Mitschüler von Haus aus nicht durften, gingen der Kleine und ich mit.

Schon zu Beginn war deutlich, dass ihm diese Menschenmasse zu viel war.
Am Treffpunkt lief er auf und ab. Fragte immer wieder, wann wir endlich losgehen.

Als es endlich los ging, war es erst ein ziemliches Gedränge. Dieses kuschelige Beisammensein lockerte sich aber während des Marsches auf.
Die Kids fingen an zu Rufen: „Wir sind hier! Wir sind laut! Weil ihr uns die Zukunft klaut!“
WOW, auf die Lautstärke war ich auch nicht gefasst. Ich beobachtete den Großen, während ich den Kinderwagen schob.

Schultern hochgezogen, Blick auf den Boden.
Okay, das wird zu viel. Da wir kurz vor dem Zwischenstop waren, sagte ich erstmal nichts und beobachtete nur.

Zwischenstop am Rathaus. Die Menge sammelte sich wieder. Es folgte eine Kundgebung und laute Rufe. Der Große versuchte sich abzulenken indem er wieder hin und her lief, was zunehmend schwerer wurde durch die Masse an Menschen. Als dieses dann gar nicht mehr möglich war, versuchte er sich mit dem Kleinen im Kinderwagen abzulenken.

Ich fragte ihn, ob er es schafft…ob alles ok ist.

Ja, er wollte weiter machen.

Na gut, dann gehen wir weiter.

Als wir uns wieder in Bewegung setzten, kippte so langsam die Stimmung. Ich merkte, dass sein Overload schon leicht in Richtung Meltdown ging. Er fing an zu motzen. Ich versuchte postitiv entgegenzuwirken.

Wieder fragte ich, ob wir abbrechen sollen.

Nein, das wollte er nicht. Er wollte das beenden, es war ihm wichtig. Ich wurde nervös. Einen Meltdown mitten in der Menschenmasse wollte ich nicht unbedingt riskieren.

Aber er schaffte es. Er schaffte es tatsächlich bis zum Sammelplatz für die Abschlusskundgebung. Doch da war es auch vorbei. Jetzt wollte er heim und das so schnell wie möglich.

Schon auf dem Weg in die heimischen Gefilde merkte ich, dass er nicht mehr konnte. Nun glitt er eher in Richtung Shutdown. Zum Glück wohnten wir nicht weit weg und erreichten unser Zuhause relativ schnell.

Der Große ging sofort in sein Zimmer, legte sich ins Bett und schlief einige Stunden.

Chapeau, mein Großer!

Ihr seht also, dass es durchaus möglich ist. Doch ihr seht auch, dass es einen Preis hat.

Deswegen möchte ich euch bitten:
Wenn ihr an einer Demo teilnehmt, dann macht bitte keine weiteren Termine für euer Kind aus. Keine Spielkameraden einladen, keine Vereinstätigkeiten, keine Arzttermine oder Therapien und keine Aufgaben geben. Das geht dann nicht mehr. Das ist dann viel zu viel.

Würdigt die Leistung und gebt eurem Kind Ruhe. Danke!

 

 

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Das Titelbild wurde von Goran Horvat auf Pixabay zur Verfügung gestellt.

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