Die Klassenfahrt fällt für uns aus – was nun?

Hallo Zusammen!

Wie ich Anfang Oktober bereits berichtete, fiel für uns die Klassenfahrt aus. Ich bin immer noch sauer.

Sauer, dass ich das ganze Procedere mitmachen musste. Die Klassenfahrt bezahlen, die Klassenfahrt mitplanen, Sachen kaufen, etc, um dann kurzfristig zuerfahren, dass mein Kind aufgrund seine Autismus Spektrum Störung nicht mit der Klassenlehrerin auf Fahrt gehen darf.

Bei dem Sondersprechtag für uns, wurde auch besprochen, was in dieser Woche mit dem Großen passieren soll.

Die Lehrerin wollte sich kümmern. Eine Woche lang geschah gar nichts. Ich fragte nochmal per Email nach. Doch auch dort keine Reaktion. Nun wurde es Freitag vor der Klassenfahrt und ich hatte immer noch keine Info.

Ich fragte beim Großen nach, ob er irgendwelche Informationen oder Zettel bekommen habe. Er verneinte dieses zwar, doch konnte ich mir das irgendwie nicht vorstellen. Daher durchsuchte ich seinen Schulrucksack nach Zettel, fand aber keinen. Jedenfalls keinen der offiziell als Schreiben zuerkennen war.

Für mich war klar, dass ich am Montag bei unserer Psychologin anrufen musste und um einen Zweizeiler bitte. Schließlich hatten wir mit der Lehrerin schon darüber geredet und der Große sollte in eine andere Klasse. Das sah ich aber nicht, da er jetzt schon bei Änderungen im Schulplan den Raum nicht findet und wenn er jetzt einen komplett anderen Plan mit anderen Räumen bekommt und dann noch viele unbekannte Schüler….nein, das sah ich nicht.

Sonntagabend. Der Tag vor der Klassenfahrt, klingelte mein Telefon. Es war die Klassenlehrerin. Aha.

Sie teilte mir mit, dass der Schulleiter bis nächste Woche nicht da wäre. Sie könnte also keinen Sonderurlaubsantrag stellen oder ähnliches in die Wege leiten, daher müsste er in die andere Klasse gehen. Sie würde allerdings auch nicht sehen, dass er das schafft, aber sie wüsste jetzt auch nicht, was sie machen sollte.

Ich musste mich wirklich stark zusammenreißen, damit ich nett bleibe. Sie wusste nicht, was sie jetzt machen sollte. Nein!? Sie weiß schon viel länger als ich, dass der Große nicht mit darf. Sie wusste, dass er nicht in eine andere Klasse kann. Sie konnte sich auch nicht vorstellen, dass der Große es schafft in eine andere Klasse zu gehen. Wieso also, hat sie nicht schon vorher etwas in die Wege geleitet?

Ich blieb ruhig. Ich bat um Aufgaben, die er erledigen kann und sagte, dass ich versuchen würde ein Attest zubekommen, weil sie nicht sicher war, ob eine Entschuldigung von mir ausreichen würde.

Nachdem sie mir die Aufgaben gegeben hatte, fragte ich, ob sich die Mitarbeit und das Verhalten des Großen gebessert hätte nach unserem Gespräch. Sie verneinte.

Natürlich hatte der Große das Gespräch „belauscht“ und war sauer. Er hätte besser mitgemacht, er habe die Aufgaben bearbeitet und er hätte sich angestrengt. Das Einzige, was er zugab war, dass er nicht in Musik war. Der Lehrer wäre ja schließlich nicht da. Ja, das wusste auch ich. Allerdings hatte ich es ihm gesagt und auch, dass es Vertretung gibt. Bei anderen Schülern fiel der Kurs teilweise aus, das ist auch richtig. Ich war genervt. Schließlich belehrt er mich ja immer darüber, dass es verschiedene Kurse sind und man gucken muss, welcher gemeint ist.

Du schaust doch sonst auch immer auf iserv nach„, sagte ich zu ihm. „Ja, aber ich hatte mein Handy nicht mit„, antwortete er. Das ist natürlich reizend. Da ich ihm damals sagte, dass er das Handy erst aufladen soll, wenn es wirklich fast aufgebraucht ist und nicht immer nur ein bischen Laden soll, weil es nicht gut für den Akku ist, hatte er das Handy nicht mit. Es war ja erst zu 89% geladen gewesen. Okay….

Montagmorgen. Ich rief bei der Psychologin an um ein Attest zubekommen. Unsere Psychologin sei krank, man würde aber Rücksprache mit einer Kollegin halten. seufz

Dann kam der Rückruf. Sie könnten kein Attest ausstellen. Die Kollegin würde den Großen nicht kennen und wir wären ja schon länger nicht dagewesen. Wir hätten ja den letzten Termin verpasst und der neue Termin wäre ja erst im Oktober.

Wirklich jetzt?! In den ganzen 7 Jahren, die wir dort waren, habe ich einen einzigen Termin verpasst und das war der letzte Termin. Ja, gebe ich zu. Wir alle 4 waren den Tag wirklich krank und ich war froh überhaupt stehen zu können. Danach hatte ich mich gemeldet und entschuldigt. Das wir erst im Oktober einen Termin bekommen haben…Ja, dafür kann ich wirklich nichts. Die Praxis hat ja schließlich immer so lange Vorlaufzeit. Der ursprüngliche Termin war Anfang/Mitte des Sommers. Das sind locker 5-6 Monate Wartezeit.

Jedenfalls verwies man mich an den Kinderarzt.

Super! Der Kinderarzt hat es bis heute nicht richtig verstanden, dass der Große Autist ist. Das kann ja heiter werden.

Ich rief an. Die Medizinische Fachangestellte, welche bereits beim Vorgänger war, nahm den Hörer ab. Ich fing an ihr zu erklären, dass wir ein Attest bräuchten für die Woche, da die Klassen auf Fahrt wäre und der Große nicht mitfahren dürfte. UnterbrechungWieso darf er nicht mit?“ Ich erklärte es. „Wieso kann er denn nicht in eine andere Klasse gehen?“ Wieder versuchte ich ruhig und freundlich zu bleiben. Ich erklärte es ihr. Darauf folgten Äußerungen ihrerseits: „Lehrerin wohl überfordert…Ausgrenzung…Diskriminierung…Unverschämt…Gemein.

Ja, so sehe ich das auch. Leider kann man nicht viel machen und wenigsten versuchen, den Großen keinen unnötigen Stress auszusetzen.

Sie würde mit dem Arzt reden und zurückrufen.

Eine halbe Stunde später kam die Erlösung. Wir bekamen das Attest.

Montagmittag. Das Telefon klingelte erneut. Es war jemand von der Schule. Der Vertreter für die Schulleitung. Er habe eine Email von der Klassenlehrerin am morgen bekommen. Der Schulleiter wäre nicht da und er wüsste jetzt auch nicht genau, was er machen sollte. Er klang sehr nervös.

Ich erklärte ihm, dass ich bereits ein Attest besorgt hätte. Ich hörte seine Erleichterung. Er war froh darüber, meinte aber, dass wohl auch eine schriftliche Entschuldigung meinerseits ausgereicht hätte.

Schön, dass die Info jetzt kommt. Jetzt nachdem ich schon die Rennerei hatte. Naja, so bin ich jedenfalls rechtlich auf der sicheren Seite.

Nachdem mein Großer erfuhr, dass er nicht mit auf Klassenfahrt darf, hatte er kaum noch geschlafen. Zu groß die Sorgen: Ausgrenzung, keiner mag ihn, etc.

Die Sache hat ordentlich an seinen Selbstbewusstsein gekratzt und ihn in dieser Hinsicht wieder zurückgeworfen.

Aber da er jetzt weiß, er muss nicht in eine fremde Klasse, kann er wieder Nachts besser schlafen. Dazu kam noch eine tolle Überraschung meines alten Freundes Keith (Ich berichtete bereits kurz über ihn. SausageFingers Gaming). Aber davon erzähle ich euch ein anderes Mal.

 

Das Titelbild wurde von Wokandapix auf Pixabay zur Verfügung gestellt.

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